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Mozart-Requiem am 13.11. in St. Quintin

Das Mozart-Requiem  gehört zu seinen größten Werken – und es blieb doch Fragment. Viele Mythen und düstere Legenden ranken sich um das unvollendete Meisterwerk. In diesem Jahr wollten wir es wieder einmal in der Erstfassung, die der Schüler Mozarts Franz Xaver Süßmayr erstellte, zu Gehör bringen. Mittlerweile sind viele unterschiedliche neuergänzte Versionen entstanden, da das Originalmanuskript durch den Tod des Komponisten 1791 nur in einigen Teilen vollendet bzw. skizzenhaft angelegt war. Die Entscheidung für die Erstfassung ist nicht nur damit begründet, dass sie die bekannteste sein dürfte und durch ihr Anciennität eine Vorrangstellung hat, sondern weil Constanze, die Witwe Mozart, die am allerbesten mit der Musik ihres Mannes vertraut war, dieser Fassung zustimmte.

Eine intensive Beschäftigung mit diesem Werk stand nun für unsere Chorarbeit an. Mozart zu interpretieren heißt, ihn als dramatischen, von der Oper herkommenden Komponisten zu begreifen: So haben wir teilweise einzelne Sätze wie einen Opernauftritt auf der Bühne inszeniert oder durch bildhafte Erzählungen verschiedene Charaktere visualisiert. Es zeigte sich deutlich, wie sehr Mozart es sowohl im Detailbereich wie auch in der Form versteht, neben plakativen Elementen („Dies irae“) vor allem feinste Nuancen zu nutzen, um neue Klangfarben zu erzielen. Als Beispiel die „Kyrie“-Fuge: neben der dramatischen d-Moll-Grundierung verwendet er Fugeneinsätze im lyrischen F-Dur, im klagenden f-Moll etc. Mozarts Musik darf m. E. nicht abstrakt verstanden werden, schon gar nicht als musikalisches „Zuckerwerk“. Stets bildet die Oper, vor allem „Don Giovanni“, den Referenzpunkt für sein „Spätwerk“. So könnte im ersten Satz die instrumentale Einleitung mit klagenden Bläserstimmen den schleppenden Gang der zum Gericht Gerufenen darstellen; der anschließend einsetzende Chor bildet einen langgezogenen Prozessionsgesang, der diese düsteren Szenerie durch die flehende Bitte um Licht unterbricht.

Unsere diesjährige Arbeitswoche in der Musikakademie Staufen, in der wir uns intensiver mit Mozarts Requiem auseinanderzusetzen konnten, hat auch unsere Einstellung zu Mozart und der Interpretation seiner Musik verändert, im Allgemeinen und zu diesem Werk insbesondere: Wir führen nicht Mozart auf, sondern Mozart führt uns auf, d. h. mit seinen Noten stellen wir uns persönlich in unseren Affekten dar. Was könnte Spannenderes geben als sich selbst durch eine göttlich zu nennende Musik zu erfahren und mit ihr zu verschmelzen?

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