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Kammerchorprojekt: „Musikalische Exequien“ von Heinrich Schütz (1585-1672)

Kammerchorprojekt: „Musikalische Exequien“ von Heinrich Schütz (1585-1672)

Am Volkstrauertag, dem 14. November, wird der Kammerchor der Johanniskantorei zusammen mit Solisten die "Musikalischen Exequien" von H. Schütz (SWV 279-281) im Rahmen des Gottesdienstes aufführen.

Das Wort Exequien lässt sich vom lateinischen Exsequiae bzw. exsequi, was „hinausgeleiten, aussegnen“ bedeutet, herleiten und verweist so auf das posthume liturgische „Geleiten“ des Toten aus dem Leben. Das Sterben, die ars moriendi, das endgültige Lebensende, der Tod und zugleich der Trost, „nicht im Grab zu bleiben“, finden in den Exequien von Schütz ihren musikalischen Ausdruck.

Das Werk entstand anlässlich des Todes von Heinrich Schütz´ Landesherren, Heinrich Posthumus Reuß. Die Erstaufführung fand bei seiner Trauerfeier in der alten Johanniskirche in Gera 1536 statt. Zu Lebzeiten sammelte Heinrich Reuß Texte aus der Bibel und aus Kirchenliedern, die Sünde, Tod und Auferstehung thematisieren, und ließ sie auf dem Deckel seines Sarkophags einschreiben. Diese, von einem unerschütterlichen Vertrauen auf Gottes Beistand und Trost in Sterben und Tod getragenen Verse bilden die textliche Grundlage, die Schütz in seiner innigen Trauerkomposition vertonte.

Bereits in frühchristlicher Zeit gab es eine Dreiteilung des Totenritus mit der Überführung des Toten in die Kirche, der dortigen Feier der Totenmesse und der Prozession zum Grab. Diesen drei Stationen der Trauerzeremonie sind die drei Teile der Exequien zugeordnet, zuerst die „teutsche Begräbnismesse“ vor der Predigt mit chorischen und solistischen Stücken zur Textsammlung des Heinrich Reuß. Dann folgte die doppelchörige Motette „Herr, wenn ich nur dich habe“ als musikalische Übersetzung des Predigttextes. Als Schlusspunkt des Werkes erklang am Grab der Lobgesang des Simeon, das „nunc dimittis - nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren“, vertont als fünfstimmige Motette. Hierzu stimmte ein Fernchor – gleichsam aus dem Himmel – das „Selig sind die Toten, die in dem Herren sterben… sie sind in der Hand des Herren und keine Qual rühret sie an“ an. Die Kontrastierung von hohem und tiefem Chor verdeutlicht die Spannung von irdischer und himmlischer Sphäre. Die Hoffnung auf jenseitige, durch Christus begründete Erlösung wird sowohl im Lobgesang des Simeon und als auch im engelsgleichen Chor hörbar. Heinrich Reuß verehrte die Person des „gerechten und gottesfürchtigen“ Greises Simeon, so dass das Canticum Simeonis den Höhepunkt der Trauerzeremonie bildete.

Der Lobgesang des Simeon ist in der neutestamentlichen Erzählung (LK 2,22-38) von der Darbringung Jesu im Tempel zur Einhaltung der jüdischen Reinheitsgebote 40 Tage nach der Geburt verankert. Das kirchliche Fest der Darstellung des Herrn bzw. der Hypapante, der Begegnung des Simeon mit dem Herrn, wird auf dem Fresko der kretischen Soter-Kirche in Kefali (datiert 1320) dargestellt. Maria und Josef bringen nach jüdischem Brauch ihren Sohn in den Tempel. Rechts des als kirchlicher Altar mit Ziborium dargestellten Tempels stehen der greise Simeon mit dem Jesuskind auf dem Arm und die Prophetin und Beterin Hanna. Die Bedeutungsgröße des Simeon im Bild verweist auf den Höhepunkt des Festes: die Erfüllung der göttlichen Prophezeiung an Simeon, den Tod nicht zu schauen, ehe er Christus erblickt hat. Er nimmt das Kind in die Arme und preist Gott: „Nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast. Denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, welchen du bereitest hast vor allen Völkern, ein Licht, zu erleuchten die Heiden und zum Preis deines Volks Israel.“

Martina Horn

 


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