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Schütz-Konzert mit der Johanniskantorei am 10.7. in St. Quintin

Prospektive auf das Heinrich Schütz gewidmete Programm der Johannis-Kantorei

Walts Gott mein Werk ich lasse (Beckersche Psalter)

Meine Seele erhebt den Herren  SWV 426

Meine Seele erhebt den Herren SWV 344 (Symphoniae Sacrae)

für Sopran Solo und Instrumente

Herr, nun lässest du deinen Diener  SWV 432 

Herr, nun lässest du deinen Diener  SWV 352 (Symphoniae Sacrae)

für Bass-Solo und Instrumente

Herr, nun lässest du deinen Diener  SWV 433

Gesang der drei Männer im Ofen  SWV 448

für Soli, Chor und Instrumente

Ich weiß, dass mein Erlöser lebt  SWV 457

Ich weiß, dass mein Erlöser lebt  SWV 393

 

Gesang der drei Männer im feurigen Ofen (SWV 448) von Heinrich Schütz (1585-1672)

 Zu den selten aufgeführten Werken von Heinrich Schütz gehört die fünfstimmige Mottete „Gesang der drei Männer im feurigen Ofen“ (SWV 448). Der Titel der Komposition verweist auf den alttestamentlichen Text aus dem Danielbuch (Dan 3). Die Geschichte spielt während des babylonischen Exils der Israeliten. Drei junge Männer, Freunde des Propheten Daniel, weigern sich dort ein heidnisches Standbild des Königs Nebukadnezar anzubeten. Sie bleiben standhaft und bekennen sich zu ihrem Glauben an Gott. Zur Strafe werden sie in einen Feuerofen geworfen. Da offenbart Gott seine Allmacht und schickt einen Engel, der die Flammen aus dem Ofen heraustreibt, so dass das Feuer die Jünglinge nicht berührt. Diese wandeln im Ofen, loben und preisen Gott mit einem der schönsten Gesänge, der in der Bibel zu finden ist. Diese Doxologie, die nur in der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, hinzugefügt ist, vertont Schütz in seiner Motette, beginnend mit den Worten: „Gelobet seist du, Herr, du Gott unser Väter, gelobet sei dein heiliger Name, gelobet seist du in deinem heiligen herrlichen Tempel“ und endet „denn er hat uns erlöset aus der Höllen und hat uns geholfen von dem Tod, und hat uns mitten im Feur erhalten. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich. Amen“.

Seit Anbeginn der Kunst ist diese Episode ein beliebtes Darstellungsmotiv. In der römischen Sepulkralkunst (Begräbniskunst), in der Katakombenmalerei und auf Sarkophagen, findet der Heilswunsch für die Verstorbenen in diesem Bild seinen Ausdruck. Als kurze Abbreviaturszene, die oft nur die drei Jünglinge als Oranten (Betende) in den Feuerflammen zeigt, werden diese zum Paradigma göttlicher Errettung und zum Inhalt hoffnungsvoller Gebete am Grab: Wie Du die Jünglinge aus höchster Todesnot errettetest, so möge deine rettende Macht auch uns erlösen. Das prospektive Bild manifestiert sich als Symbol für die zukünftige Auferstehung und für die Hoffnung auf ewiges Leben. In frühchristlicher Zeit wird, durch Athanasios von Alexandria bezeugt, der Lobgesang in die österliche Morgenliturgie aufgenommen.

Dr. Martina Horn

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